29.07.2026
Interim Management: Was ist das und wann lohnt es sich für Energieversorger?
Interim Management: Was ist das eigentlich, und warum gewinnt dieses Modell gerade in der Energiewirtschaft zunehmend an Bedeutung? Wenn Sie als Geschäftsleitung oder Bereichsleitung eines Energieversorgungsunternehmens vor einer personellen Lücke in einer Schlüsselposition stehen, ein anspruchsvolles Programm ins Ziel führen müssen oder eine Transformation vorantreiben wollen, für die intern das passende Profil fehlt, dann sind Sie vermutlich schon auf den Begriff gestossen. Dieser Beitrag erklärt in klarer Sprache, was Interim Management bedeutet, welche Aufgaben ein Interim Manager übernimmt, welche Vorteile das Modell bietet und was es in der Praxis kostet.
Der Fokus liegt dabei bewusst auf der Realität von EVUs und Stadtwerken. Denn die Anforderungen an eine Führungskraft auf Zeit unterscheiden sich in einem regulierten, betrieblich anspruchsvollen Versorgungsumfeld deutlich von denen in anderen Branchen.
Von: Phillip Inderbitzin
Interim Management: Was ist das? Eine klare Definition
Interim Management bezeichnet den zeitlich befristeten Einsatz einer erfahrenen Führungskraft in einem Unternehmen. Der Begriff stammt vom lateinischen Wort ad interim, was so viel bedeutet wie unterdessen oder vorläufig. Ein Interim Manager übernimmt also für einen klar definierten Zeitraum eine Führungs oder Umsetzungsverantwortung, um eine konkrete Aufgabe zu bewältigen. Danach endet das Mandat. Aus diesem Grund spricht man auch von Management auf Zeit.
Der entscheidende Unterschied zu einer klassischen Festanstellung liegt in der Befristung und im Fokus. Ein Interim Manager wird nicht eingestellt, um langfristig eine Position zu besetzen, sondern um eine bestimmte Situation zu lösen. Das kann die Überbrückung einer Vakanz sein, die Leitung eines komplexen Programms oder die Begleitung einer strategischen Neuausrichtung. Nach Abschluss der Aufgabe verlässt der Interim Manager das Unternehmen wieder, idealerweise mit einer sauberen Übergabe an die interne Organisation.
Auch der Unterschied zur klassischen Unternehmensberatung ist wichtig. Ein Berater analysiert, empfiehlt und übergibt Konzepte. Ein Interim Manager hingegen trägt operative Verantwortung. Er entscheidet, führt Teams, verantwortet Budgets und liefert Ergebnisse. Wer sich fragt, was Interim Management ausmacht, findet hier die zentrale Antwort: Es ist die Kombination aus externer Erfahrung und echter Umsetzungsverantwortung innerhalb der Organisation.
Die typischen Aufgaben eines Interim Managers in der Energiewirtschaft
Die Aufgaben eines Interim Managers variieren stark je nach Mandat, folgen aber einer erkennbaren Logik. In Energieversorgungsunternehmen und Stadtwerken sind es vor allem drei Situationen, in denen Management auf Zeit zum Einsatz kommt. Die erste ist die klassische Vakanzüberbrückung. Wenn eine Führungsposition unerwartet frei wird, etwa in der Bereichsleitung oder im Programmmanagement, sorgt ein Interim Manager dafür, dass die operative Steuerung nicht ins Stocken gerät, während die Nachbesetzung läuft.
Die zweite typische Aufgabe ist die Leitung anspruchsvoller Programme und Grossprojekte. Ein Glasfaser Rollout, eine Digitalisierungsinitiative oder die Einführung neuer Systeme verlangen Führungskompetenz, die intern nicht immer in der nötigen Tiefe vorhanden ist. Hier bringt ein erfahrener Interim Programmleiter genau die Expertise mit, die für den Erfolg entscheidend ist, ohne dass das Unternehmen langfristig eine entsprechende Stelle schaffen muss.
Die dritte Aufgabe ist die Begleitung von Transformation und Veränderung. Wenn ein EVU sein Geschäftsmodell erweitert, neue Marktfelder erschliesst oder eine strategische Neuausrichtung umsetzt, kann ein Interim Manager als treibende Kraft und neutrale Instanz wirken. Er bringt frische Perspektiven ein, hinterfragt Bestehendes und schafft Umsetzungstempo, das aus der eigenen Organisation heraus oft schwer zu erzeugen ist. In all diesen Fällen gilt: Ein Interim Manager ist kein Zuschauer, sondern ein Umsetzer mit klarem Mandat.
Wann ein Energieversorger über Management auf Zeit nachdenken sollte
Nicht jede Situation erfordert einen Interim Manager. Es gibt jedoch klare Signale, bei denen sich der Gedanke lohnt. Ein solches Signal ist eine kritische Vakanz in einer Schlüsselposition, deren Nachbesetzung Monate dauern wird und in der Zwischenzeit wichtige Entscheidungen liegen bleiben würden. Ein weiteres Signal ist ein Vorhaben, das über die vorhandene interne Kapazität oder Erfahrung hinausgeht, etwa ein grosses Infrastrukturprogramm oder eine Digitalisierungsinitiative mit hohem Risiko.
Auch wenn eine Strategie zwar formuliert, aber nicht in die Umsetzung gebracht wird, kann externe Umsetzungskraft der entscheidende Hebel sein. Viele Strategien in Versorgungsunternehmen scheitern nicht an mangelnder Analyse, sondern an fehlender operativer Übersetzung. Genau an dieser Bruchstelle zwischen Strategie und Umsetzung entfaltet Interim Management seinen grössten Wert. Ein erfahrener Interim Manager schliesst die Lücke zwischen dem, was beschlossen wurde, und dem, was tatsächlich passiert.
Für kleinere und mittlere Stadtwerke ist das Modell besonders interessant. Sie stehen vor denselben strategischen Herausforderungen wie grosse Energiekonzerne, verfügen aber selten über die internen Ressourcen, um jede Spezialkompetenz dauerhaft vorzuhalten. Management auf Zeit erlaubt es ihnen, genau dann auf hochqualifizierte Führungskraft zuzugreifen, wenn sie gebraucht wird, ohne die Fixkostenbasis dauerhaft zu erhöhen.
Die Vorteile von Interim Management für EVUs im Überblick
Der wohl grösste Vorteil von Interim Management ist die schnelle Verfügbarkeit von Erfahrung. Ein Interim Manager ist es gewohnt, sich in kurzer Zeit in neue Organisationen einzuarbeiten und schnell handlungsfähig zu werden. Wo eine reguläre Rekrutierung Monate dauert, kann ein Interim Manager oft innerhalb weniger Wochen die Verantwortung übernehmen. Gerade wenn Zeit ein kritischer Faktor ist, ist das ein entscheidender Unterschied.
Ein zweiter Vorteil ist die Unabhängigkeit. Ein Interim Manager kommt von aussen und hat keine gewachsenen internen Loyalitäten oder politischen Bindungen. Das erlaubt es ihm, unbequeme Wahrheiten anzusprechen, notwendige Entscheidungen konsequent zu treffen und Themen voranzutreiben, an denen sich interne Kräfte aus verständlichen Gründen manchmal die Zähne ausbeissen. Diese neutrale Position ist in Transformationssituationen oft Gold wert.
Ein dritter Vorteil ist die Flexibilität in der Kostenstruktur. Interim Management ist eine Investition, die klar begrenzt ist. Das Mandat hat einen Anfang und ein Ende, und die Kosten fallen nur für die tatsächliche Dauer des Einsatzes an. Es entstehen keine langfristigen Verpflichtungen, keine Sozialabgaben im klassischen Sinn und keine Fixkosten, die auch dann weiterlaufen, wenn die Aufgabe erledigt ist. Für Versorgungsunternehmen, die auf eine schlanke Kostenbasis achten müssen, ist das ein gewichtiges Argument.
Was kostet Interim Management in der Energiewirtschaft?
Die Frage nach den Kosten ist verständlich, lässt sich aber nicht mit einer einzigen Zahl beantworten. Die Vergütung eines Interim Managers erfolgt in der Regel über einen Tagessatz, der sich nach Erfahrung, Verantwortungsumfang und Komplexität des Mandats richtet. Auf den ersten Blick wirkt dieser Tagessatz höher als ein anteiliges Festgehalt. Diese Betrachtung greift jedoch zu kurz. Denn im Tagessatz sind keine Nebenkosten, keine Sozialabgaben, keine Weiterbildungen und keine Ausfallzeiten enthalten, und die Leistung wird nur für die tatsächlich benötigte Zeit abgerufen.
Entscheidend ist deshalb nicht der reine Tagessatz, sondern das Verhältnis von Kosten und Wirkung. Ein erfahrener Interim Manager, der ein millionenschweres Programm vor dem Scheitern bewahrt oder eine strategische Neuausrichtung erfolgreich umsetzt, refinanziert seine Kosten in vielen Fällen um ein Vielfaches. Aus dieser Perspektive ist Interim Management keine reine Kostenposition, sondern eine Investition in Umsetzungssicherheit und Ergebnisqualität. Die richtige Frage lautet daher nicht, was ein Interim Manager kostet, sondern welchen Wert er in der konkreten Situation schafft.
Fazit: Interim Management als strategisches Werkzeug für Versorgungsunternehmen
Wer sich fragt, was Interim Management ist, findet die Antwort im Zusammenspiel aus drei Elementen: externe Erfahrung, klare Befristung und echte Umsetzungsverantwortung. Für Energieversorgungsunternehmen und Stadtwerke ist dieses Modell weit mehr als eine Notlösung für unbesetzte Stellen. Es ist ein strategisches Werkzeug, um kritische Situationen zu meistern, anspruchsvolle Programme sicher zu führen und Transformationen mit dem nötigen Tempo umzusetzen.
Der Schlüssel zum Erfolg liegt in der Passung. Ein Interim Manager entfaltet dann seinen vollen Wert, wenn er nicht nur über allgemeine Führungserfahrung verfügt, sondern die spezifischen Rahmenbedingungen der Energiewirtschaft versteht: die regulatorische Realität, die betriebliche Verantwortung und die besondere Kultur von Versorgungsunternehmen. Genau diese Kombination aus Branchenkenntnis und Umsetzungsstärke macht den Unterschied zwischen einem Mandat, das gut klingt, und einem Mandat, das messbare Ergebnisse liefert.
Über den Autor:
Phillip Inderbitzin
Executive & Programmleiter für Energieversorgungs- und Telekomunternehmen.
Strategien entwickeln & umsetzen
KI-Initiativen entwickeln und begleiten
Innovationssprints
Projekte ins Ziel führen
Ad interim Mandate
Häufig gestellte Fragen zum Interim Management
Was bedeutet ad interim eigentlich?
Der Ausdruck ad interim stammt aus dem Lateinischen und bedeutet unterdessen oder vorläufig. Im unternehmerischen Kontext beschreibt er die zeitlich befristete Übernahme einer Funktion. Ein Manager ad interim führt also für eine bestimmte Übergangszeit, nicht dauerhaft. Genau darin liegt der Kern des Modells: klar begrenzte Verantwortung für eine konkrete Aufgabe.
Wie unterscheidet sich ein Interim Manager von einem Unternehmensberater?
Der wesentliche Unterschied liegt in der Verantwortung. Ein Berater analysiert, empfiehlt und übergibt Konzepte, trägt aber keine operative Ergebnisverantwortung. Ein Interim Manager hingegen übernimmt eine echte Führungsrolle. Er entscheidet, führt Teams, verantwortet Budgets und setzt Vorhaben aktiv um. Er ist Teil der Organisation auf Zeit, nicht ein externer Ratgeber daneben.
Wie lange dauert ein typisches Interim Mandat?
Die Dauer hängt stark von der Aufgabe ab. Vakanzüberbrückungen laufen häufig über drei bis neun Monate, während die Leitung grosser Programme auch zwölf bis vierundzwanzig Monate umfassen kann. Entscheidend ist nicht die Länge, sondern die klare Definition von Ziel und Übergabezeitpunkt. Ein gutes Mandat plant von Beginn an den geordneten Rückzug und die Übergabe an die interne Organisation mit ein.
Was kostet ein Interim Manager in der Energiewirtschaft?
Die Vergütung erfolgt üblicherweise über einen Tagessatz, der sich nach Erfahrung, Verantwortung und Komplexität richtet. Wichtig ist die Gesamtbetrachtung: Im Tagessatz sind keine Nebenkosten, Sozialabgaben oder Ausfallzeiten enthalten, und die Leistung wird nur für die tatsächlich benötigte Dauer abgerufen. Sinnvoller als die reine Kostenfrage ist deshalb die Frage nach dem geschaffenen Wert im konkreten Vorhaben.
Eignet sich Interim Management auch für kleinere Stadtwerke?
Gerade für kleinere und mittlere Stadtwerke ist das Modell oft besonders attraktiv. Sie stehen vor denselben strategischen Herausforderungen wie grosse Konzerne, können aber nicht jede Spezialkompetenz dauerhaft im Haus vorhalten. Management auf Zeit erlaubt ihnen den gezielten Zugriff auf erfahrene Führungskraft genau dann, wenn ein konkretes Vorhaben es erfordert, ohne die dauerhafte Kostenbasis zu belasten.